WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Risiko eines Flächenbrandes steigt - von Hans Weitmayr

APA-OTS

7. Jun, 18:30
Das Problem mit Dogmen ist, dass sie sich irgendwann der Realität stellen müssen. Die aktuelle Denkvorschrift: Griechenland darf nicht pleitegehen. Die Auswirkungen für die Eurozone wären unabsehbar. Die Realität, an der dieses Dogma zerschellen wird: Griechenland ist de facto schon pleite. Zu verlockend ist die politische Entscheidung, in nächster Zeit einen "freiwilligen Zahlungsverzicht" auszuhandeln, der auf einen Abschlag von vielleicht dreißig Prozent hinauslaufen wird. Ein Großteil der Schulden wird von ausländischen Investoren geschultert. Die verärgert man lieber als das eigene Wahlvolk, das bei einer vollständigen Bedienung der Schulden schwer ertragbare Belastungen erdulden müsste. Dieser Realität hat man sich in Europa verschlossen, und stattdessen bereits 20 von 110 Milliarden Euro an Krediten nach Athen getragen.

Doch was wäre passiert, wenn man "Nein" gesagt hätte? Investoren, die griechische Bonds halten, hätten einen Abschlag von 30 Prozent hinnehmen müssen. Die Risikoaufschläge der restlichen PIIGS-Staaten wären in die Höhe geschossen, die Refinanzierung über die Finanzmärkte hätte sich für besagte Länder erschwert. Auf der anderen Seite hätte man einen intakten Rettungsschirm über 750 Milliarden Euro in Händen. Man hätte glaubhaft vermitteln können, nur Länder stützen zu wollen, die ihre Bilanzen nicht geschönt hätten und als Warnschuss gleich zwanzig Milliarden Euro statt nach Griechenland nach Portugal überweisen können. Die Botschaft: Ländern, die unverschuldet in Schuldenkrisen schlittern, wird kompromisslos geholfen. Auch präventiv. Die Spreads hätten sich verringert, das Schuldenproblem Griechenlands wäre somit kein europäisches geworden, sondern geblieben, was es rechtens sein sollte: Das Schuldenproblem Griechenlands.

So aber ist dieses Desaster nach wie vor ein europäisches. Das griechische schwarze Loch wird dazu führen, dass der 750-Milliarden-Dollar-Schild dünner und dünner wird, bis die ersten Garantien zu tatsächlichen Zahlungen werden. Dieser Tag ist nur noch 90 Milliarden Euro entfernt.

Dass der Euro in diesem Szenario an Wert verliert, darf niemanden wundern. Die 1,20 gegen den Dollar sind gefallen, die Dollar-Parität steht im Raum. Geht dann Griechenland - freiwillige oder unfreiwillig - in Default, stehen historische Tiefs ins Haus, die unter anderem deutlich Inflation importieren werden - das bei schwachem Wachstum und entsprechenden Destabilisierungseffekten. Um das zu verhindern, sollte man sich überlegen, vielleicht doch ein Ende mit Schrecken als ein Griechenland ohne Ende anzustreben.

Rückfragehinweis: Wirtschaftsblatt Verlag AG Tel.: Tel.: 01/60117 / 300 mailto:redaktion@wirtschaftsblatt.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0266 2010-06-07/18:30

Kooperationspartner
Logos Kooperationspartner Wirtschaftskammer Österreich APA-OTS Politikportal.eu Österreichische Gesellschaft für Europapolitik
Medienpartner
Kurier
Newsletter
Jetzt für den Europapolitik Newsletter anmelden.
Bitte geben Sie Ihre Emailadresse ein:
 
Partner
Wanderausstellung EU und DU
Bloggingportal - Portal für EU-Blogs
Kurier.at Thema Europa
Folgen Sie uns auf Twitter
Suche
Top Artikel der letzten 7 Tage
EU: Konfliktfeld Digitale Agenda
30. Aug
 ORF Futurzone
Login
Email

Passwort