WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die drei Bruchlinien der EU - von Michael Laczynski
19. Jul, 18:30
Die Kluft zwischen den "alten" EU-Mitgliedern im Westen und den Neuankömmlingen im Osten wurde im Frühstadium der Krise sichtbar, als an den Finanzmärkten das Gespenst eines Kollaps der ehemaligen Sowjet-Satelliten umging. Die Panikmacher wurden mittlerweile eines Besseren belehrt: Die defizitären Balten sanieren ihre Budgets ohne Rücksicht auf soziale Verluste; Estland soll bereits kommendes Jahr der Eurozone beitreten und wurde gestern von der Ratingagentur Moody's mit Lob überhäuft; Polen hat als einziges EU-Land das Krisenjahr 2009 mit einem BIP-Plus abgeschlossen; und auch anderswo in Osteuropa sind die Aussichten besser als noch vor einem Jahr befürchtet.
Unterdessen ist die Bruchstelle Nummer zwei in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt: Jener Riss zwischen den tugendhaften Volkswirtschaften des EU-Nordens und den Prassern im Süden, der die Währungsunion auf die größte Probe seit ihrer Gründung vor elf Jahren gestellt hat. Ob die Eurozone diesen Stresstest unbeschadet überstehen kann, wird sich erst weisen. Im Moment scheint die Einheitswährung aber erneut en vogue zu sein. Mit den zunehmenden Sorgen über die Lage in den USA geraten die Schuldenprobleme Griechenlands in Vergessenheit.
Und genau dieses Phänomen bringt uns zu einer dritten Bruchstelle, die tiefer sitzt als die eingangs erwähnten Divergenzen: die zwischen den Mitgliedern der Währungsunion und den Euro-Outsidern. Wer drinnen ist, muss mit einem Euro fertig werden, der nach Ansicht vieler Experten trotz der Verluste seit Jahresbeginn immer noch überbewertet ist. Die deutschen Unternehmen können das sehr gut, die Franzosen mehr schlecht als recht, die Griechen und Spanier überhaupt nicht.
Ganz anders ist indes die Lage jener Länder, die draußen sind. Der Zwist mit dem IWF mag zwar das internationale Image Ungarns ramponieren, für die Exporteure des Landes ist er aber ein Segen: Wenn der Forint fällt, dann steigen die Exporte. Das wiederum erleichtert die Sanierung der Staatsfinanzen. Dieses Hilfsmittel bleibt den verschuldeten Mitgliedern der Eurozone verwehrt. Sie müssen es aus eigener Kraft schaffen.
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